
„Ich verstehe nicht, wie Journalisten 2024 immer noch darüber reden können, ob Print relevant ist und wie lange Print noch relevant bleibt. Taylor Swift käme nie auf die Idee, sich über den Verkauf von Schallplatten Gedanken zu machen. Genauso gibt es noch Pferde, deshalb reitet man mit ihnen aber nichts ins Büro“, meinte Diekmann. So wie das Pferd vom Auto, seien die Printmedien eben von den digitalen abgelöst worden. Alternative Geschäftsmodelle, die erfolgreich sind, habe man noch nicht gefunden.
Besorgt über die damit verbundene Reduzierung der redaktionellen Ressourcen zeigte sich Rainer. „Unsere Bedeutung als Schützer und Begleiter der Demokratie ist immens geschrumpft“, so Rainer. Das sei eine Gefahr.
Eine Zeitung nehmen inzwischen die wenigsten jungen Leser in die Hand. Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder TikTok sind ihre Nachrichtenlieferanten. „Wir müssen diese Plattformen ernst nehmen und uns ebenfalls auf diesen bewegen, wenn wir unser Publikum erreichen wollen“, schlug Diekmann vor. Astrid Maier zufolge müssten traditionelle Medien hingegen versuchen, sich neu zu erfinden und nicht stehenzubleiben. „Sich weiterbewegen“ lautet ihre Devise.
Die Künstliche Intelligenz (KI) könne eine Chance sein, sagte Diekmann: „Sie ersetzt den Journalisten nicht, sondern nimmt ihm viele Tätigkeiten ab.“ Zwar könne jeder sein eigenes Medium sein, aber nicht jeder ein Journalist. Journalismus sei ein eigenes Handwerk, wo man „Dinge dokumentiert, aufdeckt, hinter den Vorhang schaut, einordnet und erklärt.“ Es gehe auch darum, die Zuschauer, Zuhörer und Leser zu fesseln. „Der Kampf um die Aufmerksamkeit meiner Kunden bringt mich zurück in die Bedeutung“, ergänzte der Kommunikationsexperte der Tirol Werbung, Patricio Hetfleisch. Dabei gewinne der Lokaljournalismus immer mehr an Gewicht. „Mit lokalen Nachrichten, die direkt die Menschen betreffen“, fügte Rainer hinzu. Journalisten müssten außerdem auf eine der Grundeigenschaften des Menschen setzen: Neugier, sagte Standard-Chefredakteur Gerold Riedmann: „Viele Kollegen wollen so weitermachen, wie bisher, aber das wird sich nicht mehr ausgehen.“
Redaktion: Teresa Klotzner
Kategorie: Artikel
Datum: 06.12.2024
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