Die Trump-Revolution in der globalen Politik

Trump überragt sich selbst: Ein Revolutionär und Handelskrieger im Kampf gegen die alte Ordnung. So charakterisierte der bulgarische Politologe Ivan Krastev am Donnerstagabend im Dialog mit dem Journalisten Ivo Mijnssen den designierten US-Präsidenten Donald Trump beim 16. Mediengipfel in Lech am Arlberg.

Trump hat als erster Republikaner seit George W. Bushs zweitem Sieg die Popular Vote in den USA gewonnen: Er hat im November insgesamt mehr Wählerstimmen als Kamala Harris erhalten, nicht nur mehr Wahlmänner. Zum anderen besitzt er nun durch die republikanische Mehrheit im Kongress die Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus. Außerdem muss er sich, so der Politologe, in dieser Amtszeit nicht darum kümmern, wiedergewählt zu werden.

Trumpian Revolution

Trump werde somit laut Krastev mit einem starken Mandat in seine neue Amtszeit starten und radikale Veränderungen in die USA und folglich auch in die Welt bringen. Krastev bezeichnet Trump als eine revolutionäre Figur – zum Guten für seine Unterstützer und zum Schlechten für den Rest. 
Seine Kabinettsnominierungen würden ihn in seinem Willen unterstützen - Krieg gegen den „Deep State“. Krastev bezeichnet Trump als „Handelskrieger“, der die USA in eine bessere Position bringen wolle, als sie in den vergangenen Jahren gehabt habe – eine „Geißelhaft“ durch die vielen Verträge mit westlichen Partnern.

Trotz aller Spaltungen neuer Konsens

Im Inneren der USA würde sich allerdings trotz aller Spaltungen und Feindschaften ein neuer Konsens bilden: Das Migrationsproblem soll gelöst, ökonomische Eigenständigkeit fortgeführt, und die Beschützerrolle der Welt aufgegeben werden. Um die moderne Gesellschaft der USA zu verstehen, müsse laut Krastev auch der demografische Wandel betrachtet werden: In den 1940er und 1950er Jahren hätten viele Menschen in den USA einen direkten Bezug zu Europa gehabt – New York als Hotspot europäischer Einwanderer. Heute sei Miami der neue Hotspot mit den geflüchteten Lateinamerikaner.

Europa immer stärker unter Druck

Europa gerät laut Krastev immer stärker unter Druck. Trumps Art sei das „neue Normal“, und Europa habe heute nicht mehr die starken Führungspersönlichkeiten, um damit umzugehen und einen gemeinsamen Konsens zu finden. Trump habe die internationale Ordnung nicht geköpft, aber er habe sie begraben, formulierte Krastev. Europa müsse sich nun dringend positionieren und dürfe nicht nur weiter versuchen, den Status quo aufrechtzuerhalten. Ivan Krastev: „Optimismus ist nur etwas für die Feiertage.“ 

Redaktion: David Peric
Kategorie: Artikel
Datum: 05.12.2024

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