Alles begann mit einem Zufall

Mediengipfel-Initiator und ProMedia Geschäftsführer Stefan Kröll über 15 Jahre zwischen Stars, Krisen und Hoppalas.

Der Europäische Mediengipfel in Lech wird heuer 15 Jahre alt. Welches Highlight der vergangenen Jahre kommt Ihnen beim Zurückdenken zuerst in den Kopf?

STEFAN KRÖLL: Karl Schwarzenberg! Weil er erst vor Kurzem gestorben ist. Er war ein großer Europäer und hat hier auf der Bühne im Hotel Gasthof Post fantastisch geredet. Es war mucksmäuschenstill im Saal. Er hat zeitlich zwar unglaublich überzogen, aber niemand hat sich getraut, ihn zu unterbrechen. Das ist eine großartige Erinnerung.

Und an welche Hoppalas erinnern Sie sich?
Es ist laufend etwas schiefgegangen. Aktuell liegt draußen viel Schnee, also sind schon die Anreisen das erste Hoppala. Es kommt immer irgendjemand nicht an, wir fangen zu spät an oder hören zu spät auf. Dann ist Flexibilität gefragt und wir tun immer so, als ob das geplant gewesen wäre. Aber: Wir haben alles überlebt und die Stimmung war am Ende immer gut. 

Warum wurde Lech vor 15 Jahren als Ort ausgewählt?

Die Wahrheit ist: Ich traf Susanne Glass in einem beruflichen Kontext. Sie war damals Präsidentin der Auslandspresse in Wien und zuständig für die ARD für Österreich und Südosteuropa. Sie hatte gerade den Verband übernommen und betonte, dass sie mehr machen wolle. Mein Vorschlag war eine Fahrt an den Arlberg – und möglicherweise ein Mediengipfel. Und tatsächlich fuhren 12 Journalist:innen mit. Wir nannten es Mediengipfel, aber das war eine maßlose Übertreibung. Nach Lech kamen wir, weil der damalige Tourismusdirektor Gerhard Walter aus Galtür war und ich ihn gut kannte. Im Grunde war es also eine Verkettung von Zufällen. 

Und aus heutiger Sicht: War Lech die richtige Entscheidung oder hätte man einen zentraleren Ort wählen sollen? 

Nein, es war absolut die richtige Entscheidung. Wobei sie eben gar nicht so rational getroffen wurde. Die besten Sachen, die ich beruflich gemacht habe, sind immer nicht-rational passiert. Genauso ist der Mediengipfel hier in Lech entstanden. Das Miteinander hier heroben – auch das von verschiedenen Medienmärkten, die in einem gewissen Konkurrenzverhältnis stehen – und die Leute, die wir hier begrüßen dürfen. Das alles entsteht durch ein Netzwerk und dieses ist durch die Jahre gewachsen und ehrlich gelebt.

Der Mediengipfel ist in die Pubertät gekommen. Was wäre das Ziel, wenn er erwachsen ist?

Früher habe ich mir immer ein mediales Davos in Lech gewünscht. Aber jetzt glaube ich, dass das Kleine, Feine und im inhaltlichen Sinne auch Exklusive ganz wesentlich für eine Veranstaltung sind. Wir leben in einem Zeitalter, in dem wir die Meinung von anderen nicht mehr so aushalten. Was ich mir also wünsche ist: Dialog, Diskurs und das Miteinander-Streiten im positiven Sinne. Ich wünsche mir, dass wir erwachsen werden und dabei nie den jugendlichen Ungehorsam verlieren. Und vielleicht machen wir auch mehr kleine Publikumsveranstaltungen. So wie dieses Jahr, in dem wir uns zum Abschluss Harald Schmidt schenken.

2023 gibt es noch immer reine Männerpanels. Ist das noch zeitgemäß? 

Vor dieser Frage fürchte ich mich jedes Jahr, weil wir alles tun, damit wir zumindest paritätisch die Dinge austarieren. Das schaffen wir aber leider oft nicht, weil wir Absagen kommen. Wir hatten letztes Jahr ein reines Frauenpanel, in dem wir über Kriegs- und Krisenjournalismus gesprochen haben. Solche Dinge sind mir sehr lieb.

Zum Abschluss: Auf wen freuen Sie sich heuer ganz besonders? 

Am ersten Abend haben wir spannende Diskussionen, mit Jossi Beilin einen Gast aus Israel und ich freue mich auf meinen guten Freund Harald Welzer. Und dann, wenn alles vorbei ist und eine gewisse Erleichterung eintritt, dann freue ich mich auf Harald Schmidt. Weil: So können wir in diesen Zeiten, die von vielen Krisen und Kriegen bestimmt sind, auch wieder einmal lachen.

Redaktion: Leonie Schiessendoppler
Kategorie: Interview
Datum: 30.11.2023

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