
Im November hat der Service Public SRG aus der Schweiz bekanntgegeben, dass bis 2029 rund 900 Stellen abgebaut werden müssen. Auch in Österreich zeigt sich ein düsteres Bild: Die Gewerkschaft GPA rechnet im laufenden Jahr mit einem Verlust von 300 Stellen bei Privatmedien. RTL Deutschland streicht 600 Stellen. Mit Journalismus Geld zu verdienen, wird zunehmend schwierig. «Wir sehen international, dass die Medien, die es schaffen, ein diversifiziertes Geschäftsmodell mit Nutzererlösen, mit Werbeerlösen, mit Events, mit Veranstaltungen mit Behind-The-Scenes-Themen haben. Das ist die beste Überlebensversicherung», sagte Anita Zielina, strategische Beraterin für Führung, KI und Transformation in der Medienbranche.
Doch selbst vielfältige Einnahmequellen stoßen an Grenzen. Die Zahlungsbereitschaft für Online-Inhalte sinkt, klassische Werbeerträge brechen weg, und ein Großteil digitaler Werbegelder fließt zu Konzernen wie Google oder Meta. Für viele Verlage steht damit die wirtschaftliche Basis infrage.
Medienförderung und die Frage nach fairem Wettbewerb
Anna Thalhammer, Chefredakteurin und Herausgeberin des profil, sprach ein grundlegendes Spannungsfeld an: «Das Problem ist, dass man die Leute dazu bringen muss zu zahlen - und da ist der ORF für uns natürlich schon eine schwierige Angelegenheit.» Wenn Inhalte des profil hinter einer Paywall stehen, aber über den ORF kostenlos zitiert werden, entstehe ein Ungleichgewicht. «Ich habe gestern einen tollen Vorschlag bekommen, nämlich, dass der ORF vielleicht für unsere Inhalte zahlen sollte.»
Gerold Riedmann, Chefredakteur des Standard, sieht noch ein weiteres Problem im Spannungsfeld zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und Privaten: «Ein Grundproblem des Internets ist, wir treffen uns alle auf dem gleichen Marktplatz. ORF hat einen öffentlich-rechtlichen Finanzierungs-Jetpack, wir müssen es durch eine Mischung aus Abos und Werbung finanzieren.»
Der Vorwurf, dass öffentlich-rechtliche-Medien private Medien vom Markt verdrängen, ist kein Neuer. Heinz Lederer, Vorsitzender des ORF-Stiftungsrates, hielt dagegen. «Wir verlieren 2.5 Milliarden Werbeeinnahmen an die GAFA’s (die US-Tech-Plattformen Google, Apple, Facebook und Amazon, Anm.), das sind doch die Gegner. Und das ist auch der Public Value-Diskussionsbeitrag. Wir haben jetzt gerade über Trump, über Bannon und J.D. Vance geredet, der die europäische Demokratie so definiert, wie er sie haben will. Wir sollten alle einen Konsens haben, dass das repräsentative Demokratie-Modell erhalten bleiben soll und die Teilhabe, die hinter repräsentative Demokratie steht, ist das zentrale Thema, dafür gibt’s den Public Value.»
Zielina fand klare Worte zur Medienförderung: «Ich halte es mit der Medienförderung sowie mit der Frauenquote: Ich mag sie nicht, aber ich finde sie ist notwendig, weil wir in einer verzerrten Marktrealität leben.» Wenn man alles wegnehmen würde, was als Medienförderung gelte, da wäre wenig übrig vom österreichischen Medienmarkt. Die Medienförderung sei nicht dazu da, bestehendes zu belohnen, sondern um innovative Angebote zu fördern.
«Kollaboration braucht Kompromiss»
Es fielen aber auch optimistische Worte und Vorschläge, wie es weitergehen kann. «Wenn wir das schaffen wollen, müssen wir den Mut haben, innovativ zu sein», sagte Lisa Totzauer, TV-Magazin Chefin ORF. Stichwort Kollaboration - dazu Zielina: «Kollaboration braucht Kompromisse.» Aber nicht im Journalismus, sondern zum Beispiel darin, welche Infrastruktur man verwende.» Und noch etwas ist sehr wichtig, wie Anna Thalhammer betonte: «Man muss es halt dann auch als ein Projekt aufsetzen und nicht immer nur davon reden und dann geschieht wieder nichts.»
Redaktion: Text: Andrina Schmid, Bild (c) Europäischer Mediengipfel/Florian Lechner
Kategorie: Artikel
Datum: 05.12.2025
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