
In Europa gebe es derzeit ein ganzes Bündel an Initiativen für Kooperationen. Werden Geschäftsmodelle schwieriger, "wenn die Welt draußen kälter wird", gehe man in die Kooperation, so Pig. Nachrichtenagenturen seien so ein Modell, wie die APA im Eigentum von österreichischen Medien sei.
Für die Medienindustrie brauche es zunächst die Analyse, dann die Antworten und dann die Aktion. Der Analyseteil sei weitgehend abgeschlossen, jetzt brauche es Antworten. Der "wichtigste Rohstoff ist und bleibt: die Redakteurinnen und Redakteure in unseren Newsrooms", unterstrich Pig. Das sei der zentrale Ausgangspunkt.
Fokus auf User
Der Fokus müsse weg von der Medienkrise, hin zur Userkrise, plädierte Pig. Userinnen und Usern gehe es ebenso so schlecht wie Medien, sie stecken in einer Vertrauenskrise. Medien sollten sich fragen, was denn ihre Aufgabe sei. Dann könne die Antwort mit Blick auf ein funktionierendes Geschäftsmodell nur "die aufgeklärte Informationsgesellschaft" sein.
"Artificial Intelligence ist der brutalste Booster für Distribution", sagte Pig. Die Geschwindigkeit, in der Informationen verbreitet werden, sei "unschlagbar". Verbindet sich dies mit der Logik von Social Media, dann schaffe man es ohne Regulatorien nicht mehr, langfristig ein Geschäftsmodell herzustellen.
So fordert er eine entschlossene Vorgehensweise gegenüber Plattformen. In einem gemeinsamen Medien-Ökosystem gehe es darum, "harte Kante gegenüber diesen zu zeigen". Hier nannte Pig etwa den Jugendschutz, Haftungsrichtlinien und Steuergerechtigkeit. Wenn bereits eines dieser Teilelemente, sowohl national als auch gesamteuropäisch, beantwortet wäre, "würden Teile jener Plattformen, die unsere Gesellschaft zersetzen, von heute auf morgen wegbrechen", sagte Pig.
Kettemann: Falsches Signal an Washington
In Europa gebe es Regeln, die die Bürgerrechte schützen. Diese Regeln seitens der EU-Kommission nicht umzusetzen oder abzuschwächen, sei schade. Das beurteilten Kritiker als "Kniefall vor der US-Regierung", sprach Rechtswissenschafter und Internetexperte Matthias Kettemann den Entwurf eines EU-Digitalpakets an, mit dem die Vorschriften für künstliche Intelligenz (KI), Cybersicherheit und Daten gestrafft werden sollen.
Es könne auch als Signal an Washington gesehen werden, "dass wir die Bürgerrechte doch nicht so ernst nehmen", sagte Kettemann bei einem Panel des Europäischen Mediengipfels. Dies sei ein "fatales Signal, gerade was die europäische digitale Souveränität betrifft." Man müsse die Regeln, die wir haben, ernst nehmen und die Normen im Bereich der KI, im Bereich der Sozialen Medien durchsetzen.
Wissenschaft und Medien attackiert
Pig warnte in Seefeld auch vor der "dunklen Aufklärung", getragen von der Ideologie von Tech-Milliardär Peter Thiel. Diese "meint nichts anderes, als Vernunft durch die KI zu ersetzen", so Pig. "Wir Medien sind Kinder der Aufklärung." In dem Konzept der "dunklen Aufklärung" würden zwei Systeme massiv attackiert: die Wissenschaft und Medien. Beide Systeme versuchen, der Wirklichkeit näher zu kommen. In der technologischen Ideologie hätte dies keinen Platz.
Redaktion: Text: Antonia Potucek, Bild: (c) Europäischer Mediengipfel / Florian Lechner
Kategorie: Blog
Datum: 05.12.2025
Das könnte Sie auch interessieren!