USA laut Medienexperten Jarvis derzeit keine Demokratie

Sind die USA noch eine Demokratie? Derzeit nicht, so die dezidierte Einschätzung des US-Medienexperten, Journalisten und Autor Jeff Jarvis am Donnerstag bei der Eröffnung des 17. Europäischen Mediengipfels, der heuer erstmals in Seefeld in Tirol stattfindet. Im Gespräch mit ORF-Anchorman Armin Wolf gab Jarvis Einblick in das aktuelle politische Geschehen in den USA unter Präsident Donald Trump, das die Welt auf Trab hält und was Europa davon lernen kann.

Jarvis habe mehrfach erwähnt, dass die USA seit 20. Jänner 2025 von einer faschistischen Oligarchie regiert werden, so Wolf. Sind die USA keine Demokratie mehr? "Derzeit ist das wahr", sagte Jarvis im Panel "USA & Europa - wird der neue amerikanische Traum zu Europas Alptraum?". Der Supreme Court sei unter Kontrolle gebracht. Die Besetzung einiger Mitglieder des Obersten Gerichtshofs der USA sei illegitim gewesen. Auch der Kongress sei unter Kontrolle, ebenso wie das Weiße Haus.

Medien haben uns im Stich gelassen

Mit den US-Medien ging Jarvis hart ins Gericht. "Die US-Medien haben uns bei der Verteidigung der Demokratie im Stich gelassen in dieser Zeit des Faschismus", unterstrich Jarvis. Er kritisierte die Berichterstattung von US-Medien wie der Washington Post, New York Times, CNN, den Kern der Sache nicht anzusprechen.

Es sei wichtig, aus der Geschichte zu lernen, um die Gegenwart zu verstehen. Journalisten und Journalistinnen riet Jarvis, Hannah Arendts "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft" zu lesen. Trump wolle die pluralistische Vision eines Landes zerstören, meint Jarvis. Mit dem Internet - mit all seinen Fehlern - habe man die Möglichkeit für eine pluralistische, offene Diskussion in der Gesellschaft.

Trumps Macht am Schwinden

Trumps Macht beginne zu schwinden, so Jarvis. Die große Frage sei jedoch, ob die moderaten Kräfte in den USA überleben könnten. "Ich fürchte, dass die Dynamik, die die Demokraten jetzt haben, nachlassen wird", sagte Jarvis in Richtung der in elf Monaten stattfindenden Mid-Terms. Der US-Medienexperte zeigte sich besorgt, etwa über das in einigen US-Bundesstaaten stattfindende Gerrymandering, der Neuordnung von Wahlkreisen mit dem Ziel, sich bei Wahlen Vorteile zu verschaffen.

Jarvis fürchte sich über eine etwaige nicht reibungslos funktionierende Amtsübergabe im Jänner 2029. "Ich glaube nicht, dass er im Weißen Haus bleiben würde, aber es kann zu einer großen Krise kommen."

Ratschläge für Europa

Welche Ratschläge hat Jarvis für Europa? "Das einzige, was hier passiert, ist, dass wir früher sterben", meint Jarvis. Europa habe mehr Zeit als die USA. Es solle diese Zeit nutzen, "um zu beobachten, was wir falsch machen, und dies vermeiden", sowohl Medien als auch die Politik betreffend.

Unter dem Motto "Mehr Freiheit wagen: Europa zwischen Aufbruch und Rückschritt" sprechen beim diesjährigen Mediengipfel von 4. bis 6. Dezember 70 Speaker aus neun Ländern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und von Medien. Erstmals findet der Europäische Mediengipfel in Seefeld in Tirol statt - bisher ging der Gipfel in Lech in Vorarlberg über die Bühne.

Redaktion: Text: Antonia Potucek, Bild: (c) Europäischer Mediengipfel / Florian Lechner
Kategorie: Blog
Datum: 05.12.2025

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