
Vertrauensverlust, Finanzierungsprobleme, schrumpfende Redaktionen, KI - der Journalismus ist
aktuell ein schlechtes Geschäft. „Hat das Internet das Businessmodell von Massenmedien
umgebracht?“, fragte Der Standard-Chefredakteur Gerold Riedmann beim Auftakt des 17.
Europäischen Mediengipfels in Seefeld in Tirol am Donnerstagabend.
Nein, sagt Jan Bayer, Vorsitzender des Aufsichtsrats des Axel Springer SE, ein deutscher
Medienkonzern mit Zugpferden wie „Bild“, „Welt“ oder „Politico“. Print sei zwar weniger geworden.
Durch das Internet seien – auch aufgrund niedrigerer Eintrittsbarrieren – aber enorm viele neue
Geschäftsmodelle entstanden. Druckereien, Distribution und Vertrieb bräuchte man nicht mehr.
„Man kann einfach starten,“ betonte Bayer.
Auch um das Berufsfeld des Journalismus macht er sich keine Sorgen. „Wenn sich Journalismus
darauf besinnt, wo er herkommt und welche Aufgaben er hat, dann ist mir nicht bange.“
Die 2021 von Springer gekaufte US-Mediengruppe „Politico“ wächst nach Angaben von Bayer „jedes
Jahr im Umsatz“. Im Mediengeschäft in Deutschland und den USA erreichte der Springer-Verlag bei
einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2024 ein EBITDA-Ergebnis (Gewinn vor Steuern,
Abschreibungen und Zinsen) von 360 Millionen Euro. Mehr als im Jahr zuvor.
Wie funktioniert das „Werkl Politico“, wollte Riedmann wissen. Die Mehrheit des Umsatzes seien laut
Bayer B2B-Abos. Das heißt: tägliche kostenpflichtige E-Mail-Newsletter zu komplexen politischen
Themen für Businesskunden.
Was macht die amerikanische Medienlandschaft besser als die deutschsprachige? „In den USA erlebe
ich eine radikale Offenheit für Innovation“, berichtete Bayer. Es werde einfach ausprobiert. Europa
hätte hingegen statt eines Erkenntnisproblems vielmehr ein Exekutionsproblem. Zwei Beispiele:
Mehr als 70 Prozent der Erwerbstätigen in den USA nützten mittlerweile Künstliche Intelligenz, in
Europa seien es laut Bayer nur 20 Prozent. In Europa hätten außerdem im vergangenen Jahr mehr als
40 Prozent der Erwerbstätigen keine Fortbildung gemacht. „Das geht nicht“, findet Bayer. Sein Fazit:
„Wir wissen, was wir tun müssen - wir müssen es nur machen.“
Redaktion: Anna Wiesinger
Kategorie: Blog
Datum: 04.12.2025
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